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Komfortzone feat. Bildungssystem, das schlechteste Team der Welt

Wenn die Komfortzone in der Veränderung liegt

Unsere Generation wuchs in einer Zeit auf, da war es noch ganz normal sich ein Leben vorzustellen, das aus einem einzigen Beruf besteht. Man macht eine Lehre oder studiert, findet eine Arbeitsstelle, und verbringt dort die nächsten 40 Jahre in vertrauter Sicherheit. Das mag vor und unmittelbar nach dem Krieg vielleicht noch so gewesen sein, aber die junge Gesellschaft unserer Zeit kann sich nicht mehr damit identifizieren. In der Schulzeit unserer Generation fing es senr langsam an,  dass sich dieses Nachkriegsbewusstsein veränderte, aber der Nachklang dieser Werte war laut und unüberhörbar. Als mir dieses System und die damit einhergehenden Erwartungen als Kind bewusst wurden, bekam ich ein seltsames Gefühl im Bauch das ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht deuten konnte.

Eine Entscheidung für 40 Jahre

Der Druck von außen nach Sicherheit und Konstanz fand sich nicht nur im Beruf wieder. Die Gesellschaft schien sich ein unkompliziertes, vorhersehbares Leben von/(für?) uns zu wünschen und dafür war es notwendig,  sich spätestens mit 18 Gedanken darüber zu machen wie man sein Leben in Zukunft gestalten möchte.

Für Manche ist das bestimmt in Ordnung, und ich will den Wert dieser Entscheidung gar nicht schmälern. Wichtig ist mir nur zu betonen, dass diese Entscheidung niemals für jeden passen kann, und mein Bauchweh über diese Frage wurde über die Jahre hinweg immer stärker. Ich begann mich insgeheim zu fragen ob etwas mit mir nicht stimmte. Ich wusste nicht was ich tun wollte, ich wusste nicht wie ich mir mein Leben wünschte. Wie denn auch,  mit 18 im Kinderzimmer? Und dann der Gedanke daran dass ich etwas finden sollte was ich die nächsten 40 Jahre lang jeden Tag tun soll, ich hätte mich übergeben können.

Hier liegt der Fehler im System

Wir sperren die Kinder in unserem Bildungssystem 12 Jahre lang in ein Klassenzimmer und stopfen sie mit Vokabeln und Formeln voll, anstatt persönlichkeitsentwickelnde Fächer zu unterrichten. Musik, Kunst und Sport werden auch heute noch in allgemein bildenden Schulen ein bisschen belächelt, ebenso wie Religion. Philosophie gab es bei uns sowieso nur als Wahlfach am Freitag Nachmittag um 15:00. Von finanzieller Bildung oder unternehmerischem Denken spreche ich gar nicht, solche Fächer sind schlichtweg nicht existent. Dabei wären gerade sie so wichtig. Es ist Zeit diese Sachlage ernst zu nehmen und zu verstehen,  dass aus Kindern die kreativ, sportlich und emotional- und sozial gebildet sind eine Gesellschaft entsteht die bessere Entscheidungen trifft als die geschätzen 80% die ungern zur Schule gehen und sich unterdrückt fühlen.

Es ist Zeit aufzuwachen

Heute, 10 Jahre später weiß ich, dieses Bauchweh ist in meiner Generation kollektiv gewesen! Wir hatten eben erst unser 10 jähriges Maturatreffen, (Abituriententreffen für alle Nicht-Ösis hier im Raum 😉 ) Es hatte damals nur keiner darüber gesprochen, auch wenn viele sich genau so fühlten.  Alleine die Tatsache zu wissen dass ich nicht alleine bin hätte mir geholfen, mich nicht wie ein schwarzes Schaf in einer funktionierenden Herde zu fühlen.

Wir alle mussten also eine Entscheidung treffen. Die Entscheidung, nicht nach dem Druck der Gesellschaft zu gehen. Das Leben so zu führen wie es sich richtig anfühlt.

Und das bedeutet stetige Veränderung. Der Gedanke für immer das Gleiche tun zu müssen ist so viel angsteinflößender als zu wissen, dass man sich ständig weiterentwickeln darf. Und das hat für mich nichts mit dem Phänomen “missing out” zu tun, wo man die Angst hat irgendetwas im Leben zu verpassen. Hier geht es um deine eigene Entwicklung als Mensch.

Wir haben den Luxus als Mensch unsere eigene Entwicklung zu bestimmen, machst du Gebrauch davon?

Ich habe klassisches Klavier studiert, und arbeite heute zusätzlich im Online Marketing. Es gibt kein “aber”, nur ein “und”….vielleicht bin ich in zehn Jahren Landschaftsgärtnerin, und mache in 20 Jahren meinen Doktor in Philosophie, wer weiß. Und wie schön ist das überhaupt? Das Wort “Entwicklung” bedeutet doch genau das. Wenn man aus der Schule kommt fühlt man sich doch buchstäblich “verwickelt”, in ein System und ein Leben und eine Richtung die im schlimmsten Fall jemand anderes für einen aussucht.

Wir sind kreativ, talentiert und wissbegierig, und zwar von Geburt an.

Die fortlaufenden Jahre in Freiheit führen in unserer Generation dazu, dass man sich kennenlernt und stetig neue Seiten an sich entdeckt, und ich liebe es.

In einem Buch von Robert Kiyosaki, ich glaube es war Rich Dad Poor Dad (Empfehlung!) habe ich gelesen dass er in seinem Leben eine berufliche Karriere nach der anderen hingeschmissen hat, nachdem er alle Fähigkeiten dafür beherrschte. Das waren jedes mal ungefähr 3-5 Jahre in einem Bereich. Er nahm alles was er gelernt hat und ging bereit für eine neue Herausforderung in einen anderen Beruf So konnte er ständig wachsen und sein Wissen immer besser anwenden.

Bitte wünscht mir nie, ich soll bleiben wie ich bin

..und ich kann mich so unglaublich gut damit identifizieren! Kennt ihr das, dass euch einfach eine Sache langweilig wird wenn ihr keinen Platz mehr habt zu wachsen? Auch wenn die Aufgabe und die Arbeit an sich wunderschön ist, ihr sie gut beherrscht, sie lukrativ ist und umgeben von lieben Menschen. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, da möchte man sich neu erfinden. Ich stelle mir dann die Frage: “Was kann ich eigentlich noch?”

Dann muss etwas anderes her, und das darf ruhig etwas GANZ anderes sein. Und hier geht es nur um dich selbst. Nicht um deinen Partner, die Familie oder Freunde. Wir hoffen du umgibst dich mit Menschen die dich fördern und fordern und dir die Freiheit dich selbst zu entfalten. So wichtig es ist, dass wir glückliche Beziehungen führen, die wichtigste Beziehung führst du mit dir selbst. Also sei der Mensch der du sein willst, egal was die Gesellschaft dir einreden möchte. Dich selbst wirst du niemals los, also liebe dich bedingungslos.

Lasst uns wissen wie eure Komfortzone aussieht, und wie ihr mit Druck von außen umgeht. Ich lebe meine Komfortzone in der Veränderung, und es fühlt sich so so frei und gut an zu wissen, dass es so vielen von euch da draußen auch so geht.

Love, Julia

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