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Wir haben uns getrennt – und würden es wieder tun

Keine Panik, keine Panik.

Wir lieben uns nach wie vor, und möchten weiterhin unser Leben miteinander teilen. Doch für fast 2 Monate haben wir uns örtlich getrennt, und in diesem Artikel möchte ich dir gerne erzählen, wie uns diese Zeit näher zusammen und zu uns selbst gebracht hat, nachdem wir uns nicht sicher waren wie es weitergehen soll.

Sein wir uns doch mal ehrlich, das letzte Jahr war ziemlich bescheiden. Privat, beruflich, in Liebesbeziehungen und in der Beziehung zu sich selbst sind wir alle an einige Grenzen gestoßen. Egal wie alt und in welcher Branche tätig, in irgendeiner Form hat es Herausforderungen und Veränderungen für uns alle gegeben, und in einigen Fällen hat das zu Trennungen oder zumindest viel Unruhe geführt. Ich persönlich bin der Meinung dass die gesamte Situation auch einige Chancen birgt, vor allem wenn man mutig genug ist sich die richtigen Fragen zu stellen, oder zumindest keine „Schuld“ im Außen zu suchen und Eigenverantwortung für sein Leben zu übernehmen. In diesem Artikel soll es darum aber weniger gehen, sondern vor allem um die Liebe zu dir selbst und deinem Partner.

Self love feat. Romance – Hitpotenzial

Jeder der in einer langjährigen Beziehung oder Ehe lebt wird mir zustimmen, dass es unmöglich ist für immer einen gemeinsamen Weg ohne Meinungsverschiedenheiten zu finden. Kompromisse gehören zu einfach dazu, doch wo hören Kompromisse auf? Wo beginnst du dich selbst aufzugeben? Wo willst du es dem anderen einfach nur recht machen? (Ich sag ja immer, das einzige wo es sicher keinen Kompromiss gibt ist in der Kinderfrage. Kind oder kein Kind, da gibt es einfach nix dazwischen.)

Stefan und ich haben das unsagbare Glück eine ähnliche Vorstellung vom Leben zu haben. Gleiche Werte, ähnliche Wünsche und Sichtweisen, miteinander harmonierende Persönlichkeiten haben uns über fast 7 Jahre zu einem sehr glücklichen und zufriedenen Paar werden lassen. Und trotzdem sind wir manchmal einfach verdammt unterschiedlich und es kommt zu Situationen, wo wir nicht unbedingt das Gleiche wollen und ein Kompromiss unmöglich scheint.

Glück im Unglück?

Bevor ich den nächsten Absatz beginne, möchte ich unbedingt betonen dass wir wissen in welcher absolut glücklichen Lage wir uns befinden. Wir sind ungebunden, selbstständig, haben keine Kinder und haben die Freiheit uns sofort in jeder Weise neu ausrichten zu können. Wir waren uns zu jedem Zeitpunkt bewusst dass diese Zeit viele viele Menschen um einiges ärger getroffen hat als uns. Trotzdem hat sie uns für uns Schwierigkeiten und Enttäuschungen präsentiert, die wir erst beginnen zu verstehen und zu verarbeiten.

Nachdem wir ein Jahr lang jede Menge Pläne gemacht haben, nur um diese kurz darauf wieder zu verwerfen – Nachdem wir einfach reisen wollten und kurz zuvor alles verkauft und unsere Wohnung aufgegeben haben – Nachdem wir ein neues Business gegründet haben nur um damit Verluste zu machen, mussten wir Anfang des Winters feststellen, dass wir müde waren.

Was machst du wenn du merkst, dein Partner möchte nach links und du nach rechts?

Konkret war es so: Stefan wollte weiter reisen, dem Winter entfliehen und am Besten an das andere Ende der Welt, während ich mich einfach mal eine Zeit nicht mit Corona-Tests, Grenzschließungen, Flugstreichungen und dergleichen befassen wollte.

Über viele Wochen waren wir uns nicht klar wie es weitergehen sollte, wir wollten beide nicht dass der andere etwas tun muss was er nicht wollte. Wir haben offen über die Möglichkeit einer Trennung gesprochen, dafür war und ist unsere Liebe aber definitiv zu stark.

In den letzten 5 Jahren waren wir 1 Mal für 2 Wochen und 2 Mal für ein paar Tage getrennt, und sonst fast 24/7 zusammen. Ohne Krisen, ohne viel Streit, happy. Der Gedanke sich zu trennen war wie über eine Bein Amputation nachzudenken, krass gesagt.

Gleichzeitig war es, und hier kann ich nur für mich sprechen, an der Zeit für mich selbst einzustehen.

Dich für dich zu entscheiden ist das größte Geschenk, dass du deinem Partner machen kannst.

Ich habe ein sehr starkes Bauchgefühl, und es betrügt mich äußerst selten. Grundsätzlich bin ich ein flexibler Typ und kann mich schnell mit neuen Situationen oder Plänen anfreunden, aber ich hab diesmal ganz ganz stark gespürt, dass ich auf meinen Bauch hören und meine eigene Entscheidung treffen MUSS. Ich habe mich für mich entschieden, auch wenn das eventuell geheißen hätte, meinen Partner zu verlieren. Ich wollte nicht weiterreisen, ich brauchte eine Pause. Mir das einzugestehen war schwierig, aber notwendig. Über viele stundenlange Gespräche sind wir dann zu dem eindeutigen Ergebnis gekommen, dass Stefan alleine weiterreist und ich vorerst nach Hause fliegen werde.

Wochenlang haben wir uns vor der Entscheidung gedrückt, vor lauter Angst was das wohl über uns sagt. Doch es war unausweichlich, und die Wahrheit muss lauten:

Ich liebe dich – und ich kann ohne dich leben.

Was für ein schöner Satz, so ohne Fesseln, ohne Bedingungen, ohne „Verlass mich ja nicht, sonst….“ oder „Ich brauche dich, ohne dich kann ich nicht….“

Ich bin mir sicher, ein Grund warum wir immer so glücklich waren, so wenig Verlustangst oder Eifersucht zwischen uns spürten, ist die Tatsache dass wir beide voneinander wissen, dass wir auch ohne den anderen glücklich sein könnten. Das nimmt ungeheuer viel Druck weg, dem anderen irgendetwas richten zu müssen. Wir lieben uns um unser selbst Willen, und entscheiden uns jeden Tag neu dafür.

Das hat dazu geführt dass wir uns dazu entschlossen haben, dass Stefan für 2 Monate alleine nach Costa Rica fliegt. In dem Moment als es raus war haben wir das Geschenk darin erkannt. Wir hatten beide keine Angst davor, dass uns das als Paar schaden würde.

Versteht mich nicht falsch, wir waren verdammt nervös! Wir wussten ja nicht wie wir uns fühlen würden, und 8 Wochen schienen eine Ewigkeit zu sein, nachdem wir die letzten 2000 Nächte nebeneinander geschlafen hatten 😉

Die folgenden 3 Wochen bis zum Tag X waren wie Flitterwochen, wir haben die Zeit miteinander umso intensiver genutzt und genossen, und unser Abschied war liebevoll und tränenreich.

Wie geht es uns jetzt?

Also an dem Tag an dem ich diesen Artikel tippe, sind wir 2 Wochen vor unserem Wiedersehen. Heute ist der 14.2, Valentinstag, und es scheint ein passender Tag um über die Liebe zu schreiben. Was kann ich euch sagen, es geht uns wirklich sehr gut. Es war zu 100 % die richtige Entscheidung. Wir haben die Zeit für uns sehr genossen und genutzt, und freuen uns so sehr auf ein Wiedersehen. (Für alle die es interessiert: Stefan und ich sind keine großen Telefonierer. Wir schreiben uns täglich das Wichtigste und tauschen uns selbstverständlich aus, telefonieren aber nur 1 – 2 Mal die Woche, das war schon immer so wenn wir nicht zusammen waren. Wenn wir mal getrennt sind, dann versuchen wir das Beste für uns rauszuholen.)

Das interessanteste überhaupt für mich ist, dass wir uns unabhängig voneinander die selben Dinge getan haben. Wir waren still, viel in der Natur, haben begonnen täglich zu meditieren und uns die selben Fragen über die Zukunft gestellt.

Wir waren uns vor ein paar Monaten nicht sicher wie die Zukunft aussehen soll, und haben getrennt voneinander zu den gleichen Antworten gefunden. Ich bin sogar bereit zu sagen es hat diesen Abstand gebraucht, um uns über diese Dinge klar zu werden.

Für mich war die Zeit alleine auch auf einer anderen Ebene sehr heilsam. Die Frage „Wer bin ich, wenn mir keiner zusieht?“ hat mich in dieser Zeit begleitet, und nun kann ich sie endlich wieder beantworten – einige Überraschungen inklusive, ich bin nämlich ziemlich anders als zum letzten Mal als ich alleine gewohnt habe 😉

Dies ist ein Aufruf zum mutig sein.

Versuch dich loszulösen von deinen Ängsten, alles was du brauchst ist bereits da. Was dir bestimmt ist, findet dich, was es nicht ist, geht sowieso, auch wenn du festhältst.

Es ist an der Zeit, dass wir unsere Masken fallen lassen, uns selbst lieben und dadurch unserem Partner die gleiche Möglichkeit zu bieten. Wenn du nicht ehrlich zu dir selbst bist, kreierst du eine Illusion deines eigenen Lebens, dann ist nichts davon wirklich wahr. Du möchtest eine Partnerschaft gefüllt von bedingungsloser Liebe? Liebe dich selbst und den anderen ohne Bedingung. Lass ihn und dich selbst frei, unterstützt euch gegenseitig im Wachstum. Sei nicht böse wenn dein Partner nicht mehr derjenige ist den du damals geheiratet hast, auch du hast dich verändert. Sei dazu bereit dich immer wieder neu in diesen Menschen verlieben zu können, denn eines ist sicher – Er wird sich wieder verändern, genau wie du. Wenn ihr es schafft euch gegenseitig den Raum und die Freiheit, vielleicht sogar die Unterstützung zu geben euer wahres Selbst immer wieder neu zu finden und zu leben, steht einer lebenslangen Partnerschaft nicht viel im Weg. Ich bin absolut erfüllt von Dankbarkeit für diese Zeit, und bin mir sicher wir werden das früher oder später wiederholen. Für jetzt haben wir unsere Speicher für Alleinzeit aufgefüllt und freuen uns über alle Maßen uns wiederzusehen.

Viel Liebe und Mut,

deine Julia

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